1 min

Die Expressdebatte


Die Milutin-Debatte (eine neue Form von Express-Debatte)


Ziel

Diese neue Art der Debatte ist ein einfaches demokratisches Debattenformat für Stammtische, politische Gruppen, Vereine, Schulen und Bürgergespräche. Ich benenne sie, als Erfinder, nach mir "Milutin-Debatte", denn es scheint mir sinnvoll, dass wir Menschen alle unsere Erfindungen nach uns benennen sollen. Das hat nichts mit Narzissmus zu tun oder Eigentumsrechten, sondern mit Anstand. Ich für mich finde es gut, wenn ich weiß, wer etwas erfunden hat.

Apropos Eigentumsrechte, ich gebe diese Erfindung allen zum Spielen frei zur Nutzung. Sollte jemand auf die Idee kommen daraus ein Karten oder Brettspiel oder Computerspiel zu machen und Geld zu verdienen, dann bitte ich um vorherige Kontaktaufnahme.

Das Ziel der Milutin-Debatte ist es nicht, die eigene Seite zu bestätigen oder möglichst laut aufzutreten. Ziel ist, Menschen durch gute Gründe, klare Sprache und fairen Umgang zu bewegen und im besten Fall umzustimmen.

Es wird zwei Mal abgestimmt, vor und nach der Debatte. Vor der Debatte kann mit "Ja" oder "Nein" oder "Unentschlossen" abgestimmt werden, nach der Debatte jedoch nur mit "Ja" oder "Nein".


Grundidee

Demokratie ist schon lange nicht mehr nur Abstimmung. Demokratie, in unserer heutigen Zeit, basiert auf Grundrechten festgehalten in Verfassungen und basiert auf republikanischen Urzielen, die Politik als Sache der Öffentlichkeit zu begreifen (res - Sache; publicas - Öffentlichkeit). Die Fähigkeit, öffentlich Gründe für Meinungen und nicht einfach Meinungen auszutauschen, einander zuzuhören und der Wille die eigene Meinung durch bessere Argumente zu verändern, das sind Grundsätze eines demokratischen Lebens. Demokratie ist dabei insbesondere die Fähigkeit zu Mehrheitsentscheidungen durch Abstimmungen zu kommen ohne dass dabei die Seite, welche eine Abstimmungen verliert, von zukünftigen Abstimmungen ausgeschlossen wird. In der Demokratie bleiben immer alle dabei und teilen nach gemeinsamen Entscheidungen, die gemeinsame Zukunft.

Die Milutin-Debatte ermöglicht es Demokratie, im wahrsten Sinne dieses Wortes, in kleinen und großen Gruppen, zu leben:

Eine Frage. Zwei Seiten. Kurze Reden. Publikum. Abstimmung vorher und nachher. Die Mehrheit gewinnt.


Ablauf

1. Debattenleitung

Zu Beginn wird eine Debattenleiterin oder ein Debattenleiter bestimmt.

Die Debattenleitung nimmt nicht selbst an der Debatte teil und stimmt nicht ab.

Ihre Aufgabe ist:

  • die Regeln zu erklären,
  • die Frage sauber zu formulieren,
  • auf Redezeiten zu achten,
  • Fairness zu sichern,
  • die Abstimmungen zu zählen,
  • das Ergebnis festzustellen.

Die Debattenleitung ordnet den Raum, entscheidet aber nicht inhaltlich.

2. Themenvorschläge

Alle Anwesenden können Themen für die Debatte vorschlagen.

Ein Thema muss als Frage formuliert sein, die mit Ja oder Nein beantwortet werden kann.

Beispiele:

  • Sollen Universitäten mehr öffentliche Bildungsformate anbieten?
  • Soll Stuttgart autofreie Sonntage ausprobieren?
  • Soll wirtschaftliche Bildung früher in Schulen vermittelt werden?
  • Soll es bei politischen Stammtischen regelmäßig Debatten nach festen Regeln geben?
  • usw.

Die Debattenleitung kann unklare Vorschläge sprachlich glätten.

3. Auswahl der Debattenfrage

Die Debattenleitung stellt bis zu drei geeignete Fragen zur Auswahl.

Die Anwesenden stimmen per Handzeichen ab, welche Frage debattiert wird.

Gewählt ist die Frage mit den meisten Stimmen.

4. Anfangsabstimmung

Vor Beginn der Debatte wird die gewählte Frage erstmals gestellt, z. B. soll wirtschaftliche Bildung früher in Schulen vermittelt werden?

Alle Anwesenden stimmen transparent per Handzeichen ab:

  • Ja
  • Nein
  • Unentschlossen

Die Debattenleitung notiert die Zahlen.

Eine Debatte findet statt, wenn es auf beiden Seiten eine ernsthafte Position gibt.

Richtwert: Mindestens ca. 25 Prozent der Anwesenden sollten auf der kleineren Seite stehen. Bei kleinen Gruppen genügt auch eine kleinere Minderheit, wenn zwei Personen bereit sind, diese Position fair zu vertreten.

Wenn fast alle einer Meinung sind, kann die Debatte entfallen oder die Frage neu formuliert werden.

5. Teams

Es gibt zwei Teams:

  • Team Ja
  • Team Nein

Jedes Team besteht aus zwei Personen.

Man muss nicht zwingend seine private Meinung vertreten. Es ist erlaubt, probeweise eine Position einzunehmen, um das Denken zu üben.

Wenn sich mehr als zwei Personen pro Seite melden, bestimmt die jeweilige Seite ihre zwei Rednerinnen oder Redner.

6. Eröffnungsrunde

Jede Person hält eine kurze Eröffnungsrede von maximal 2 Minuten.

Reihenfolge:

  1. Team Ja, Person 1 — 2 Minuten
  2. Team Nein, Person 1 — 2 Minuten
  3. Team Ja, Person 2 — 2 Minuten
  4. Team Nein, Person 2 — 2 Minuten

In dieser Runde gibt es keine Unterbrechungen.

7. Replikrunde

Danach folgt eine Replikrunde.

Jede Person hat maximal 1 Minute.

Reihenfolge:

  1. Team Ja, Person 1 — 1 Minute
  2. Team Nein, Person 1 — 1 Minute
  3. Team Ja, Person 2 — 1 Minute
  4. Team Nein, Person 2 — 1 Minute

In dieser Runde darf die sprechende Person freiwillig einen kurzen Hinweis aus dem Publikum zulassen. Ein solcher Hinweis darf maximal 30 Sekunden dauern und muss eine relevante Information enthalten.

Die sprechende Person muss das Wort nicht erteilen.

8. Publikumsrunde

Anschließend darf das Publikum Fragen stellen.

Dauer: maximal 10 Minuten.

Regeln:

  • Fragen aus dem Publikum dauern maximal 20 Sekunden.
  • Antworten dauern maximal 1 Minute.
  • Debattenleitung achtet darauf, dass aus Fragen keine Reden werden.
  • Wer eine lange Stellungnahme abgibt, wird freundlich gebeten, eine konkrete Frage zu formulieren.

9. Schlussrunde

Jedes Team erhält ein Schlusswort von maximal 1 Minute.

Reihenfolge:

  1. Team Ja — 1 Minute
  2. Team Nein — 1 Minute

Im Schlusswort sollen die stärksten Argumente noch einmal knapp zusammengeführt werden.

10. Schlussabstimmung

Die Debattenleitung stellt dieselbe Frage erneut.

Alle Anwesenden stimmen wieder per Handzeichen ab:

  • Ja
  • Nein

Die Mehrheit gewinnt. Festgehalten wird auch meisten Zuwachs erzielt hat, also wer den größten Resonanzerfolg hatte.


Geist der Milutin-Debatte

Die Milutin-Debatte ist kein Kampf um Demütigung des Gegners.

Sie ist ein demokratisches Spiel.

Die Grundregeln lauten:

  • fair sprechen,
  • knapp sprechen,
  • verständlich sprechen,
  • zuhören,
  • Argumente vorstellen,
  • auf Argumente der Gegenseite antworten,
  • nicht persönlich angreifen,
  • nicht entwürdigen.


Leitsatz

Demokratie wird stärker, wenn Menschen lernen, öffentlich zu streiten, ohne einander zu entwürdigen. In einer Demokratie bleibt die Würde von einem jeden Menschen unantastbar.